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EL CLASICO

B-Jugend: 15. Meisterschaftsspiel gegen SpVgg Torgelow-Ueckermünde

Artikel vom 31. Mai 2026

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    Samstag, 9:40 Uhr.

    Unbeirrt hält der Keeper seinen Blick auf den Stürmer gerichtet, der mit zwei seiner Kameraden die Abwehrkette durchbrochen hat und nun kurz vor dem Sechzehner zum finalen Schuss ausholt. Jetzt gilt es. Nur noch zwei Minuten die Führung halten. Alles hängt an ihm.

    Jaime macht einen Satz nach vorne, spannt die Muskeln zum Sprung, breitet die Arme aus. Mit einem Geräusch, das sich wie eine Türklingel anhört, verlässt der Ball den Fuß des Mittelstürmers. Rechts oben, gut platziert, saust das Leder Richtung Tor. Er kann aber von Jaime im allerletzten Moment mit dem kleinen Finger – der in diesen modernen Torwarthandschuhen auch nicht mehr sooo klein ist – aus dem Winkel gekratzt und über die Torlatte gelenkt werden. Glanzparade!

    Seine Mitspieler reißen die Arme hoch und stürmen auf Jaime zu. Einer – der ein bisschen wie seine Mutter aussieht – stellt sich vor ihn, fängt an, ihm sanft die Wange zu streicheln und sagt: „Jaime! Aufwachen! Dein Trainer steht unten vor der Tür und meint, du hast in 20 Minuten ein wichtiges Spiel!“

    Ja, und so oder so ähnlich kam es dann, dass wir am Samstag um 10 Uhr doch noch mit Torwart beim Clasico auflaufen konnten.

    Dem Spiel der Saison. Erster gegen Zweiter. Ueckermünde, in der Rückrunde noch unbezwungen, mit zwei Spielern, die in der Torjägerliste ganz oben stehen, mit gut bestückter Ersatzbank, kurz: der schon über viele Jahre bekannte und starke Gegner.

    Und natürlich wir: die B-Jugend der TSG Neustrelitz, die zu Hause noch keinen einzigen Punkt hergegeben haben.

    Eine Serie wird also heute reißen. Entweder geben wir unseren ersten Punkt her, oder Ueckermünde wird seine erste Niederlage in der Rückrunde einfahren.

    Beste Bedingungen für ein spannendes Spiel.

    Von Beginn der Partie an entgeht niemandem, dass Ueckermünde das Spiel auch draufhat. Ein passabler Kombinationsfußball und vor allem auch ein funktionierendes Direktpassspiel im vorderen Drittel – wie es in der Liga wenige Mannschaften gezeigt haben – erwarten uns. Doch hier liegen auch unsere Stärken und das ist unser Platz.

    Nachdem die Kicker aus dem Norden ein-, zweimal vor unserem Kasten – nichts Gefährliches – aufgetaucht waren, kommen wir zu ersten echten Möglichkeiten, von denen Erik eine eiskalt reinmacht. Am letzten Mann vorbeigezogen, hat er fast eine Sekunde Zeit, sich die Ecke auszusuchen, und legt den Ball links am Torwart vorbei. Da waren vielleicht erst fünf Minuten gespielt.

    Ein bisschen Druck fällt ab. Wir merken: Ueckermünde ist knackbar.

    In der Folge entwickelt sich ein ansehnliches Fußballspiel mit guten Aktionen von beiden Seiten. Harte, aber von beiden Seiten nicht unfair geführte Zweikämpfe, ein wahres Passfeuerwerk von unserer Seite. Einige Torabschlüsse, die der Gegner aber weit und wir etwas knapper am Tor vorbeischießen.

    In der 20. Minute ist der Moment für unseren Knipser gekommen. Wenn Leandro der Ball im Sechzehn-Meter-Raum vor die Füße fällt, kann die Mannschaft schon im Geiste in Jubel ausbrechen. Der ist (fast) immer drin.

    Während die gegnerische Hintermannschaft noch hadert und sich gegenseitig die Schuld für den Gegentreffer in die Schuhe schiebt, hat Erik auch schon die Maßgaben des Trainers umgesetzt. Nämlich sein zweites Tor erzielt und sich damit an die Spitze der Torjägertabelle gesetzt. Glückwunsch!

    Mit einem Drei-Tore-Vorsprung geht es in die Halbzeitpause. Es gibt wenig zu korrigieren.

    Die Highlights der zweiten Hälfte beginnen – nach einer kurzen Druckphase von Ueckermünde – mit einer Rarität: ein Eckball- und ein Kopfballtor von Lenny! Wir hatten die Hoffnung auf ein Eckballtor bereits aufgegeben – und zum passenden Zeitpunkt dann so ein schönes. Bravo!

    Von Sem bedient, macht Elia zehn Minuten später auch noch das 5:0. Das Spiel ist gelaufen. Was aber nicht heißt, dass es keine Arbeit mehr war. Unsere Abwehr hatte noch reichlich Gelegenheit, sich zu beweisen.

    In Erinnerung bleibt, wie Arne seinen quirligen Gegenspieler von der ersten Sekunde an mit voller Energie, Mut und manchmal auch der Hilfe seiner Mitspieler fast komplett neutralisierte.

    Wie Moritz sich über mehrere Sekunden einen packenden Zweikampf mit einem Gegenspieler lieferte, um am Ende hoch aufgerichtet alleine mit dem Ball davonzuziehen.

    Wie Wodan mit seinem feinen Ballgefühl und der unverwechselbaren Abgezocktheit regelmäßig einen ruhigen Spielaufbau ermöglichte.

    Und wie Finn im gesamten Hinterfeld immer wieder rechtzeitig Feuerwehr spielte.

    Und zu guter Letzt Jaime, der wirklich noch seine Gelegenheiten bekam, sich als Torwart auszuzeichnen: mit einem Ball, den er tatsächlich aus dem Winkel fischte, und einer wunderbaren Parade mit dem rechten ausgestreckten Bein.

    Einmal musste er leider noch hinter sich greifen. Nachdem Erik in der Zwischenzeit auf 6:0 erhöht hatte, wurden wir ein wenig nachlässig und Ueckermünde durfte einmal den Pfosten und einmal (unhaltbar) das Tor treffen.

    Das tat unserem Triumphgefühl aber keinen Abbruch.

    Zu erwähnen bleibt noch: Selten hat man einen solch harmonischen Clasico gesehen. Ohne fiese Fouls, ohne Karten, ohne Angeblaffe und von Fans, Trainern, Spielern und Schiedsrichter ein faires Miteinander. Das hatte fast schon was von Fanfreundschaft. Danke dafür!

    Eine Heimbilanz, die sich sehen lassen kann: 8 Spiele – 8 Siege – 40:5 Tore!

    Kommende Woche geht es zum Drittplatzierten nach Wolgast. Sollten wir dort gewinnen und Ueckermünde gleichzeitig gegen Burg Stargard Punkte lassen, wäre das – man wagt es kaum zu schreiben – doch noch die Meisterschaft!

     

    Und Jaime konnte endlich frühstücken gehen. :-)