TSG wehrt sich gegen früheren Sportchef

22. November 2018

Im Nordkurier vom 10. November erschien auf der Titelseite des Sportteils ein Bericht über den einstigen TSG-Sportverantwortlichen Oliver Bornemann und seine jetzige Arbeit beim FC Rot Weiß Erfurt. Soweit es um seine gewiss schwierige Mission beim derzeit kriselnden Traditionsclub aus Thüringen geht, kann ich Oliver nur Erfolg und alles Gute wünschen. Soweit der Beitrag seine einstige Tätigkeit bei der TSG Neustrelitz beschreibt, wäre etwas mehr journalistische Sorgfalt am Platz gewesen. Einseitiges Informiertsein kann schnell an den Realitäten vorbei und ins Abseits führen. Ein Wort vorweg mit den Verantwortlichen der TSG oder anderen Insidern hätte genügt, um an Stelle der schon ins Peinliche abgleitenden Lobhudelei eine mehr den Tatsachen entsprechende Beschreibung seiner TSG-Zeit treten zu lassen.

Zu den Fakten. Man reibt sich verwundert die Augen, dass Oliver Bornemann „die TSG in die Regionalliga, zum Landespokalsieg über den FC Hansa Rostock und zur überraschenden Regionalligameisterschaft“ geführt haben soll. Ich denke, den Hauptanteil an diesen Erfolgen hatten immer noch die damaligen Trainer Rastislav Hodul und Thomas Brdaric sowie in allererster Linie die TSG-Spieler, die in jenen Jahren auf dem Rasen standen. Am Regionalliga-Aufstieg 2012 und am Gewinn des Landespokals hatte Oliver Bornemann kaum einen eigenen Anteil, war er doch erst kurz zuvor als sportlicher Leiter eingesetzt worden und hatte in dieser Funktion eine intakte, eingespielte Mannschaft vorgefunden.

Zur Vollständigkeit gehört, dass er später im Namen der TSG immer wieder Neuverpflichtungen von Spielern vornahm, deren Vergütungen über ihren fußballerischen Qualitäten und noch viel weiter über unseren finanziellen Möglichkeiten lagen. Diese Vorgänge waren ein ganzes Stück für die Etatprobleme der TSG in den Folgejahren mit verantwortlich. Nicht „ein paar Fehlentscheidungen“ haben zur sportlichen Talfahrt und zum Regionalliga-Abstieg geführt, sondern ein zwingend notwendiger und ziemlich rabiater Sparkurs, um den Verein finanziell vor dem Untergang zu bewahren.

Auch die Feststellung, er trage „die TSG auch heute noch im Herzen“, bedarf einer Erwiderung. Mit dem gescheiterten Aufstieg in die 3. Liga endete 2014 auch Oliver Bornemanns Elan für die TSG Neustrelitz. Er begann, Ausschau nach Höherem zu halten, erschien als gewähltes Mitglied kaum mehr zu den Präsidiumssitzungen, ließ seine Aufgaben als sportlicher Leiter liegen und ward bald gar nicht mehr gesehen. Die TSG-Verantwortlichen suspendierten ihn daraufhin von seinen Aufgaben als Sportchef. Wenig später beendete er als Betreiber des Neustrelitzer Parkhotels sein Sponsoring für die TSG und kündigte seine TSG-Mitgliedschaft auf. Im heimischen Parkstadion wurde er seither ein einziges Mal gesehen, auf Einladung der Gastmannschaft, die in seinem Hotel logiert hatte.

Klaus Mewes
Vizepräsident der TSG Neustrelitz