„TSG-Fans sollten uns verzeihen“

3. Januar 2019

Nordkurier, 29.12.2018 von Matthias Schütt

Mit einer 0:1-Heimniederlage gegen den SV Altlüdersdorf verabschiedete sich Fußball-Oberligist TSG Neustrelitz in die Winterpause. Es war die vierte Pleite in Folge für die Residenzstädter, die eigentlich in der Spitzengruppe der Liga mitspielen wollten. Matthias Schütt sprach mit TSG-Trainer Tomasz Grzegorczyk über die erste Saisonhälfte.

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Gut angefangen, dann sogar eine Serie von zehn Spielen ohne Niederlage hingelegt, aber am Ende stark abgebaut. Das macht zur Halbzeit in der fünfthöchsten deutschen Spielklasse Rang acht. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Das ist gar nicht so schlecht. Wir könnten aber in der Tabelle weiter oben stehen, wenn wir durch späte Gegentreffer nicht so viele Punkte verschenkt hätten. Da ärgern mich eine Vielzahl der Unentschieden. Die Niederlagen zum Ende hin waren bitter. Der jungen Mannschaft muss man aber einige Fehler verzeihen, das sollte auch das schwierige und emotionale Publikum in Neustrelitz machen. Man darf nämlich nicht vergessen, mit was für Vorzeichen wir in die Saison gestartet sind.


Könnten Sie das etwas präzisieren?
Nach dem Abstieg aus der Regionalliga Nordost hieß es, erstmal eine komplett neue Mannschaft aufzubauen. Aus der Vorsaison 2017/18 sind nur wenige Spieler geblieben. Wir haben dann den Kader verstärkt und versucht, ihn mit Akteuren aus dem eigenen Nachwuchs sowie aus der Region und Mecklenburg-Vorpommerns zu füllen. Das ist teilweise gut gelungen. Dennoch mussten wir auch anderweitig suchen. Aufgrund der finanziellen Situation sind wir an ein gewisses Budget gebunden. Die Mannschaft harmoniert und die Spieler identifizieren sich zu 100 Prozent mit dem Verein. Das war uns bei der Kaderzusammenstellung wichtig. Das unser junges Team (24,1 Jahre, Anm. d. R.) irgendwann Probleme bekommt und die Leistungen schwanken, ist normal.


Ist so auch das peinliche Landespokalaus in Runde zwei beim drei Klassen tiefer spielenden FSV Bentwisch zu erklären, wo es eine 0:1- Niederlage gab?
Das war schon sehr enttäuschend. Wir wollten in diesem Wettbewerb weit kommen. Ich war als Trainer des Torgelower FC Greif zwei Mal im Halbfinale und wollte das auch mit der TSG schaffen. Nun sind wir leider raus und haben nächste Saison eine neue Chance.


Zum Ende des Kalender- jahres gab es vier Niederlagen in Folge in der Oberliga. Kommt die Winterpause jetzt gerade recht?
Ich stehe nach wie vor hinter meiner Mannschaft. Wir mussten zuletzt, das soll keine Ausrede sein, aufgrund von Sperren und Verletzungen viele Spieler ersetzen und vor allem immer wieder die Defensive umbauen. Das hat uns schon geschwächt. In dieser Phase fehlte der jungen Mannschaft einfach auch das Selbstvertrauen. So etwas kann passieren und der Druck steigt ja auch. In diesen Partien mussten wir Lehrgeld bezahlen. Die Spieler sollen jetzt alle einen freien Kopf kriegen, haben aber auch individuelle Trainingspläne mit in die spielfreie Zeit bekommen. Als Trainer gilt es nun, die Hinrunde zu analysieren, ehe wir am 16. Januar in die Vorbereitung einsteigen.


Gibt es da jetzt schon Erkenntnisse?
Wir schießen einfach zu wenig Tore. Von den 22 erzielten Treffern hat unser Stürmer Djibril N‘Diaye, der eine wahre Maschine ist, zwölf Treffer erzielt. Es kommen aber kaum Offensivtreffer hinzu, sondern vielmehr eine hohe Anzahl von Abwehrspielern, die treffen. Da müssen wir in Zukunft besser werden.


Wird sich am Kader denn etwas ändern?
Wir wollen nicht wie in den Vorjahren in der Winterpause einen großen Umbruch und das Gesicht der Mannschaft verändern. Fakt ist, dass wir in der Vorbereitung die Qualität der einzelnen Spieler verbessern wollen. Wir schauen uns aber auch auf dem Spielermarkt um, was noch möglich ist. Ein weiterer Stürmer sowie ein erfahrener Mittelfeldspieler würde uns gut tun. Das muss aber auch alles vom Budget her passen.


Stichwort Winterpause: Wie verbringen Sie die fußballfreie Zeit?
Als Trainer ist man ja irgendwie immer 24 Stunden im Einsatz. Es gilt ja schon jetzt die Vorbereitung strukturiert vorzubereiten, aber auch viele Gespräche zu führen. Denn wir wollen in der Rückrunde mehr Stabilität ausstrahlen und diese gilt es in den Testspielen aufzubauen. Die Weihnachtsfeiertage habe ich mit meiner Familie in der Heimat verbracht. Ich genieße diese Zeit und kann da gleichzeitig Kraft für die zweite Saisonhälfte tanken.