TSG-Chef: Wenn wir dürfen, spielen wir Regionalliga!

11. Mai 2017

Nordkurier, 11.05.2017 von Detlef Granzow

Die Neustrelitzer Kicker spielen aktuell die schlechteste Fußball-Saison seit vielen Jahren. Über Ursachen und Konsequenzen sprach Detlef Granzow mit Präsident Hauke Runge.

Am Sonntag steigt das letzte Saison-Heimspiel der TSG gegen RB Leipzig II. Kommt da beim Präsidenten  Abschiedsstimmung von der Regionalliga auf?
Ich hoffe nicht! Es besteht ja noch die Chance, dass wir am Grünen Tisch die Möglichkeit bekommen, weiter Regionalliga zu spielen. Und, das will ich hier ganz deutlich sagen: Wenn wir dürfen, werden wir auch Regionalliga spielen. Dies ist eine Botschaft an alle unsere Fans und unsere treuen Sponsoren. Aber natürlich sind wir sportlich mit dieser Saison nicht zufrieden. Das war gar nichts! Man muss jedem einzelnen unserer Fans, der trotz der miesen Auftritte der Mannschaft ins Stadion gekommen ist, ein großes Dankeschön sagen.

Vor drei Jahren die bejubelte Meisterschaft, jetzt der Tiefpunkt – was ist schief gelaufen im Neustrelitzer Fußball?
Erst einmal muss man auch daran erinnern, dass es im Neustrelitzer Fußball in den zurückliegenden zwölf Jahren immer bergauf ging. Und, dass wir hier jetzt ein Stadion haben, das nach dem Ostseestadion das zweitschönste im Nordosten ist. Aber klar, in dieser Saison liegen wir weit hinter unseren Zielen zurück. Wir hatten keine wettbewerbsfähige Mannschaft an den Start bringen können – trotz des annähernd gleichen Etats wie in den Vorjahren. Dafür tragen der erste Trainer Benjamin Duray, aber auch der sportliche Leiter und der Präsident die Verantwortung. Da nehme ich mich gar nicht aus. Wir müssen aber auch sehen, dass wir in der Liga eine Schieflage bei den finanziellen Möglichkeiten der Vereine haben. Ein Beispiel: Wir hatten einen Stürmer als Probespieler, der sich für einen anderen Verein entschieden hat. Dort verdient er 5000 Euro brutto. Und der Witz ist, er wurde dort nicht ein Mal eingesetzt. Also ganz klar: Da können und wollen wir nicht mithalten.  Es war der Neustrelitzer Weg, mit wenig Geld und jungen Leuten zu bestehen. Diesmal ist die Rechnung nicht aufgegangen. Wie gesagt, den Schuh müssen sich im Verein viele anziehen. Wir haben uns zu sehr auf Trainer Duray und seine Spieler-Auswahl verlassen. Fakt ist: Nur mit so jungen Leuten kannst du in der Regionalliga nicht bestehen. Aber: Auch mit dem aktuellen Budget hätte man eine bessere Mannschaft zusammenstellen können.

Nun ist ja schon viel über den Systemwechsel in Neustrelitz zur neuen Saison gesprochen worden. Ist die Abkehr vom Vollprofitum beschlossene Sache?
Das ist definitiv so. Egal, in welcher Liga wir spielen – unser Wunsch ist natürlich die Regionalliga – werden wir vom Profitum weggehen. Parallel arbeiten und Fußball spielen, das wird in der Zukunft hier so sein. Dementsprechend werden die Trainingseinheiten in die Nachmittags- und Abendstunden verlegt. Andere Vereine haben bereits bewiesen, dass das funktionieren kann. Warum nicht auch bei uns? Und wenn wir denn weiter Regionalliga spielen dürfen, ist eines klar: Wir gehen mit einem Oberliga-Budget in die nächste Saison. Auch das wird schon teuer genug. Allein für die Berufsgenossenschaft der Spieler werden 51 000 Euro fällig, die Wohnkosten der Spieler belaufen sich auf 62 000 Euro. Und das sind nur zwei Posten. Dennoch: Trotz kleinen Etats, ich bin mir sicher, so eine Saison wie die zurückliegende wird es hier nicht mehr geben.

Sie sind auch erfolgreicher Geschäftsmann. So eine verkorkste Saison mit weniger Zuschauern kostet. Wie teuer ist der Misserfolg geworden?
Natürlich haben wir Zuschauereinbußen. Desto mehr muss man den treuen Fans danken, die sich diese Spiele immer wieder angetan haben. Aber unsere Zuschauereinnahmen decken den Etat nur zu sieben Prozent. Über 70 Prozent kommen von den Sponsoren.

Und die halten zur Stange?
Gott sei Dank, ja. Wir haben nur einen ganz geringen Rückzug von Sponsoren, die ihre Zahlungen eingestellt haben. Der große Teil hält treu zu uns. Das erhält uns am Leben und verdient ein besonderes Dankeschön. Im Verhältnis Verein-Sponsoren ist es wie in einer Ehe – in guten wie in schlechten Zeiten. Ich sage deutlich: In dieser Region gibt es Fußball nur, weil es Sponsoren gibt! Daraus ergibt sich für uns aber auch eine Verpflichtung, mit dem Geld keinen Harakiri zu betreiben.

Hat der Umbau der Mannschaft schon begonnen?
Da gibt es nur eine Schwierigkeit. Solange wir nicht wissen, wo wir spielen, ist es schwierig, überhaupt zu planen. Also, wir drücken Erfurt ganz fest die Daumen, dass sie nicht aus der 3. Liga absteigen, dann haben wir Planungssicherheit. Aber dennoch legen wir mit dem Umbau los – schon nächste Woche kommen die ersten Probespieler. In den vergangenen Jahren habe ich vielen guten Spielern, die uns nach einer Saison verlassen haben, nachgetrauert. Ehrlich, diesmal will ich einige Spieler aus der aktuellen Mannschaft hier nicht mehr sehen!

Hauke Runge, in Ihrem Büro findet sich ein Spruch, der Ihnen zum silbernen Unternehmensjubiläum geschenkt wurde: „Möge dein schlechtester Tag in der Zukunft besser sein als dein bester Tag in der Vergangenheit.“ Wäre das eine Vision für den Neustrelitzer Fußball?
So vermessen bin ich jetzt nicht. Wir hatten hier schon einige erfolgreiche Tage, einige sind kaum zu toppen. Wenn wir denn weiter Regionalliga spielen dürfen, würde ich mir einen Platz zwischen acht und zwölf wünschen – das wäre schon großes Kino für Neustrelitz.